In MIT in den Medien von Dr. Josef Schlarmann
Mittwoch, 26. Mai 2010, 15:15 Uhr
Dr. Josef Schlarmann, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, über den Rücktritt von Roland Koch.
Interview mit der Thüringer Allgemeinen, 26.05.2010, von Ingo Linsel
Roland Koch gilt als Durchhaltestratege, was ist für Sie der wirkliche Grund für seinen Rücktritt?
Schlarmann: Auch ein Politiker hat eine Lebensplanung. So muss man Roland Koch zugute halten, dass er die Möglichkeit wahrnimmt, neben der Politik eine ihn befriedigende Tätigkeit zu suchen.
Sie kritisierten wie auch er den Führungsstil der Kanzlerin. Kann es sein, dass Roland Koch an ihr verzweifelt ist?
Schlarmann: Ich habe ihn in engem Schulterschluss mit Frau Merkel erlebt. Er hat sie all die Jahre aktiv unterstützt.
Auf seinen Rat zu Schnitten bei Bildungsausgaben und zu Steuererhöhungen reagierte die Kanzlerin eher düpiert. . .
Schlarmann:. . .es hat Irritationen gegeben. Das reicht aber als Frustrationserlebnis nicht aus, um die Politik zu verlassen.
Koch galt doch aber sogar als möglicher Erbe Merkels.
Schlarmann: Das ist spekuliert worden, entspricht aber überhaupt nicht meinen Beobachtungen, die ich viele Jahre machen konnte.
Woher kommt dann aber der Vorwurf an Frau Merkel, dass sie von Stoiber bis Merz alle wegbeißt, die sich ihr widersetzen?
Schlarmann: Herr Merz hatte in der Tat eine andere Konzeption als die Parteichefin, nicht aber Herr Koch. Der war ein Unterstützer in der gesamten Zeit der Großen Koalition und hat auch mit SPD-Minister Steinbrück eng zusammengearbeitet. Einen inhaltlichen Dissens hab ich lediglich jetzt bei den Sparbeschlüssen festgestellt. Dass ist mit Herrn Merz nicht vergleichbar. So kann ich auch nicht feststellen, dass Frau Merkel ihn herausgemobbt hat.
Von Merz über Clement bis Schröder wechseln immer mehr Politiker, ist die Wirtschaft lukrativer?
Schlarmann: Ich bedaure außerordentlich, dass immer mehr Leute mit Wirtschaftskompetenz, wie nun auch Koch, den politischen Raum verlassen. Zurück bleiben die reinen Berufspolitiker.